Im Prinzip ist es genauso wie zu allen anderen Jahreszeiten: Ob das Auto reif für eine Wäsche ist, liegt im Ermessen seiner Besitzerin oder seines Besitzers. Wer sein Auto schmutzig findet, fährt auch im Winter zur Waschanlage. Wer denkt: „Nach einer Woche ist es eh wieder eingesaut“, liegt auch nicht falsch.
Probleme von gestern
Früher sagte man, ein gewaschenes Auto erhöht bei Schmuddelwetter die Sichtbarkeit. Heute, da Neuwagen mit LED-Tagfahrlicht anrollen, ist das kaum mehr ein Faktor. Die Straßenmeistereien kübeln bei Frostgefahr und nach Schneefällen zwar jede Menge Salz und Lauge auf die Fahrbahnen, doch kommen Autos damit eigentlich gut zurecht. Ist der Lack gut in Schuss, hat die korrosionsfördernde Wirkung von Salz keine Chance. Auch der Unterbau eines Fahrzeugs hat in der Regel keine Korrosionsprobleme: Durch werksseitige Hohlraumversiegelungen, verbesserten Unterbodenschutz und den Einsatz verzinkter Bleche war das eher ein Problem der Vergangenheit. Sind Kratzer oder Abplatzungen im Lack, kann die Salzlauge allerdings bis zum Karosserieblech vordringen und Rost begünstigen.
Die don’ts des Winterwaschens
Bei extremen Minustemperaturen verbietet sich die Autowäsche. Herrschen draußen beispielsweise minus zehn Grad, und das Waschwasser trifft mit 20 Grad auf den Lack, wird er schlagartig um 30 Grad erwärmt. Vor allem in vorgeschädigten und nachgebesserten Lackoberflächen können sich kleinste Risse bilden, die zu rostigen Stellen unter der Lackdecke wachsen. Auch daran denken, dass das Waschwasser bis in die Türfugen vordringt. Das frisch gewaschene Auto bei satten Minusgraden dann draußen abzustellen, ist keine gute Idee, weil die Gummidichtungen anfrieren können. Ebenfalls keine gute Idee ist, nicht alle Reste von Schnee und Eis zu entfernen, bevor das Auto in der Waschanlage duschen darf. Schlimmstenfalls ziehen die rotierenden Bürsten sie wie Schmirgelpapier über den Lack.
Was wirklich einen Unterschied macht
In vielen Waschstraßen stehen an der Einfahrt Mitarbeitende, die mit einer Hochdrucklanze das Auto vorreinigen. Das ist im Winter besonders sinnvoll, denn der Schmutz auf dem Lack besteht aus einer Mischung aus klebrigem Salzschlick und feinsten mineralischen Partikeln. In Portalwaschanlagen ohne Vorwäsche – oft an Tankstellen zu finden – kann es sein, dass die Bürsten diesen Schmutz erst einmal auf dem Lack verreiben, bevor er abgespült wird. Außerdem kommt eine Hochdruck-Vorwäsche an Stellen, die von den Bürsten nicht erreicht werden. Als Alternative bietet sich die Handwäsche in einer SB-Waschanlage an – für alle, denen klamme Finger nichts ausmachen.




